

29. August – 2. September2027
Strassburg, Hotel Beaucour
Die Menschenrechte, erstmals 1776/1789 juristisch codiert in den Vereinigten Staaten und in Frankreich, sind weltweit zum politisch-humanitären Standard geworden. Die Vereinten Nationen verabschiedeten 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die seitdem durch ein Geflecht von Konventionen, Institutionen und Menschenrechts-Gerichtshöfen (in Straßburg und in San José/Costa Rica) international justiziabel gemacht wurden. Gleichwohl ereignen sich täglich Verstöße gegen sie. In der internationalen Politik werden sie zudem für die jeweils eigenen Interessen ideologisiert und instrumentalisiert. Doch alles Politisieren hat ihren Glanz nicht geschmälert – und ihre Weiterentwicklung zu Menschenrechten der sogenannten zweiten und dritten Generation nicht behindert.
Das Seminar: Die Menschenrechte stehen für einen beeindruckenden zivilisatorischen Fortschritt zur Humanität. So jedenfalls die ›westliche‹ Lesart, der aber nicht unwidersprochen geblieben ist hinsichtlich der universalen Reichweite wie auch der Begründung von Menschenrechten. Die beiden islamischen Menschenrechtserklärungen von 1990 und 2004 berufen sich explizit auf die göttliche Autorität und das islamischen Recht (Scharia) und garantieren weder die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch die Freiheit sexueller Orientierung.
Neben den wichtigen, im derzeitigen Menschenrechtsdiskurs heftig diskutierten Wertekonflikten in den diversen Menschenrechtserklärungen interessieren im Seminar:
- Antike Formen der Menschenrechte (Griechenland, Iran, Israel)
- Menschenrechte in den außereuropäischen Traditionen (Afrika: Mali; Indien: Upanishaden)
- Der ›westliche‹ philosophische Hauptdiskurs von Thomas Hobbes über John Locke, Samuel Pufendorf, Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant bis zu den Gegenwartsstimmen von Étienne Balibar, Heiner Bielefeld, John Rawls u.a.
- Die Begründungsproblematik der Menschenrechte
- Die Bedeutung der Menschenwürde im Menschenrechts-Diskurs
- Gehören zu den Menschenrechten auch Menschenpflichten?
- Die Weiterentwicklung der Menschenrechte in ›zweiter‹ und ›dritter‹ Generation
- Die Menschenrechte im Zukunftsstress: Beispiel Asylrecht
Der Seminarort Straßburg ist wegen des dort ansässigen Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte das ideale philosophische Reiseziel. Öffentliche Verhandlungen (Hearings) finden sporadisch statt, lassen sich aber nicht im Voraus planen. Von den Verhandlungen gibt es aber Filmaufnahmen, die wir uns nach Möglichkeit anschauen.
Reader: eine ausführliche Textsammlung wird Ihnen drei Wochen vor Seminarbeginn zugesandt. Keinesfalls müssen Sie den Reader vorher durchgearbeitet haben!
Gruppengröße: 12 – 18 Personen.
Das Hotel Beaucour liegt im Zentrum der Stadt und nur wenige Schritte von der Ill entfernt, die den Altstadtkern umfließt.
Exkursionen: Stadtführung Straßburg, Besichtigung des Straßburger Münsters, Bootstour »Straßburg, eine 2000-jährige Geschichte«, Besuch des Europäischen Parlaments.
Anreise: individuell
Kosten: € 1220 im DZ; EZ-Zuschlag € 260 für Übernachtung mit Frühstück, Stadtführung, Bootstour, Besuch des Europäischen Parlamentes, Seminarkosten, Skript, Kaffeepausen während des Seminars, Seminarraumkosten anteilig