Hat jeder seinen eigenen Geschmack?
Immanuel Kant über das Schöne

9.– 14. Juni 2020
Usedom, Hotel Seerose

Usedom

 

Neben dem Steilufer mit seinen Buchenwäldern liegt direkt am Strand das Hotel Seerose. Nachts hören Sie bei geöffnetem Fenster die Brandung der Ostsee. Hier ist die schönste Stelle Usedoms. Doch Schönheit, so lautet ein bekanntes Sprichwort, entstehe im Auge des Betrachters. Hat jeder etwa seinen eigenen Geschmack? Immanuel Kant war anderer Auffassung. Er suchte die Balance zwischen einer bloß subjektiven Gewichtung des Geschmacksurteils und dessen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Dabei steht viel auf dem Spiel, wie Sie alsbald erkennen werden. Es geht nämlich um nichts Geringeres als um die Einheit von sinnlicher Wahrnehmung und Vernunft, um Körper und Geist, um Natur und Freiheit. Kants ›Kritik der Urteilskraft‹ hat tiefe Spuren im künstlerischen Selbstverständnis hinterlassen. Friedrich Schillers Vision einer ästhetischen Erziehung des Menschen lebt voll und ganz aus dieser Schrift, auch seine Ideen kommen am Ostseestrand zu Wort. Dass Kant das Naturschöne über das Kunstschöne stellte, könnte Sie still und persönlich bei Ihren ausgedehnten Strandspaziergängen inspirieren. Und uns vielleicht gemeinsam zu einer Vision des ökologischen Bewusstseins verleiten.

Usedom SeeroseDas Seminar: Mit seiner ›Kritik der Urteilskraft‹ traf Kant den Nerv bei den Dichtern der Goethezeit. Kein Wunder, denn in seinem dritten Hauptwerk arbeite Kant die philosophischen Konturen des Schönen heraus. Nicht: ›Was ist das Schöne?‹ war sein Ansatz, sondern: ›Wie urteilen wir über das Schöne?‹. In der Schrift, die ich Ihnen sorgfältig aufbereite, dreht sich zunächst alles um die subjektiven und objektiven Komponenten des Geschmacksurteils. Doch was ist die objektive Seite des Kunstschönen? Und wie steht es um das Naturschöne, das Kant über die Kunst stellt? Weiterhin interessieren uns Kants Vorstellungen von der erhabenen Natur, vom künstlerischen Genie und von der moralischen Wirkung des Schönen. Dann bestaunen wir den kühnen Übergang von der Ästhetik zum religiösen Bewusstsein, der die Zeitgenossen nicht minder fasziniert hat als Kants klare Analysen des Schönen. Hier allerdings haben sich die weiteren Wege getrennt: ein Zweig führte über Friedrich Schiller (und sehr viel später über Herbert Marcuse) hinaus in eine politische Ästhetik, den anderen beschritten die Romantiker mit ihren Visionen einer Naturreligion. Beide Varianten können uns heute im Zeitalter der Naturkrise zu einem neuen ökologischen Bewusstsein inspirieren.
Wenn Sie diese Dimension des Thema besonders interessiert, dann buchen Sie doch einfach zusätzlich zur Kant-Seminarreise die philosophische Reise zu den Klassikern des ökologischen Bewusstseins! (Sankt Gerold im Großen Walsertal, 7. – 12. Juli 2020)

Seminarbeginn und –ende: 9. Juni, 18 Uhr, Abreise nach dem Frühstück am 14. Juni 2020.

Reader: die ausführliche Textsammlung müssen Sie keinesfalls vorher durchgelesen haben!

Gruppengröße: 12 – 20 Personen.

Ausflüge: erholsame Strandspaziergänge nach Koserow und zu den Seebrücken Heringsdorf und Ahlbeck. Fahrradausflug zum Achterwasser.

Anreise und Kosten: individuelle Anreise. Vier Übernachtungen mit HP, Sauna, Fitness, Seminar im DZ € 1250, EZ-Zuschlag € 160

Ausführliches Programm und Anmeldung:

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Peter Vollbrecht