Hannah Arendt:
Denken ohne Geländer.
Was heißt es, in Freiheit zu leben?Über das Engagement für den Grundwert unseres Lebens.

6. - 10. Mai 2019
Berlin, Grandhotel Savoy am Kurfürstendamm

Hannah Arendt
An ihrer farbigen Biographie hatten auch die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts mitgeschrieben: Königsberg, Berlin, Marburg, Freiburg, Heidelberg, Frankfurt, dazwischen immer wieder Berlin, wo sie in ihrer Wohnung 1933 einen Unterschlupf für Flüchtlinge bot. Gestapo-Verhaftung, Flucht über Tschechien nach Paris und schließlich über Lissabon nach New York. Unser Seminarort Marburg setzt den Kontrapunkt zur urbanen Weltläufigkeit Hannah Arendts. Im beschaulichen Universitätsstädtchen verliebte sie sich im Alter von 18 Jahren in Martin Heidegger, eine Begegnung, die ihr Leben prägte. In schmerzvoll philosophischer Abkehr von ihrer großen Liebe entwickelte sie sich zur Freiheitsdenkerin. In ihren Werken suchte sie immer wieder die Auseinandersetzung mit Rassismus und Totalitarismus, den großen Themen der damaligen Zeit, die heute unerwartet eine neue Konjunktur erfahren. Aufbruch und Natalität (Geburtlichkeit) hielt sie gegen Heideggers todesgerichtete Seinsphilosophie. Heute werden ihre Werke weltweit rezipiert, insbesondere in den Demokratiebewegungen Afrikas und Asiens. Hannah Arendt ist eine Philosophien, die selber nie eine sein wollte, eine Denkerin in globalem Maßstab.

 

Das Seminar:

1. Tag: Die starke Persönlichkeit
Individuelle Anreise nach Berlin und Check-in im Swissôtel am eleganten Kurfürstendamm. Bei einem Apéritif um 15 Uhr lernen Sie Ihre Mitreisenden kennen, und Ihr Seminarleiter Peter Vollbrecht breitet die Aspekte des Arendt’schen Denkens vor Ihnen aus. Zur Einstimmung sehen Sie das legendäre Fernsehinterview, das Günter Gauss 1964 mit Hannah Arendt gemacht hatte. Sie werden beeindruckt sein von ihrer starken Persönlichkeit, die Diskussion wird auch darum kreisen. Gemeinsames Abendessen im Hotel.

2.Tag:  Im Zwiegespräch des Denkens
Hannah Arendt war eine leidenschaftliche Philosophin, deren intellektuelle Passion dem Verstehen galt. Im Denken, so meinte sie, halte der Mensch kurz inne im Fluss der Gewohnheiten, nur im Denken gewinne er ein personales Zentrum. Setze das Denken aus, dann gewönnen Ideologien ihre Macht über uns. Über Impulsreferate, Textlektüren und Diskussionen setzt sich Ihnen ein erstes komplexeres Bild der Hannah Arendt zusammen. Ist ihr Denken zu streng? Unnachgiebig war sie, als ihre These von der »Banalität des Bösen« auf heftigen Widerstand der jüdischen Gemeinden traf. Hannah Arendt hatte zuvor dem Tribunal gegen Adolf Eichmann als Prozessbeobachterin in Jerusalem beigewohnt und konnte in seinem Verhalten nichts radikal Böses, sondern nur Gedankenlosigkeit erkennen. Nach dem Abendessen bringt Ihnen der Film von Margarete von Trotta über Hannah Arendt diese Ereignisse näher. Ein Besuch des jüdischen Museums am Nachmittag passt sich ein in die philosophische Landschaft dieses Tages.

3. Tag: Sprechen und Handeln
Wie offenbart sich Persönlichkeit? Im Sprechen und Handeln, meinte Hannah Arendt, unterscheiden sich Menschen aktiv voneinander, ohne bloß unterschieden zu sein. Solche und andere feine Differenzierungen öffnen uns die Augen für uns selbst. Heute kreisen unsere Lektüren und Diskussionen über das breite Feld des Handelns, das mit jeder Ankunft eines neuen Erdenbürgers einen neuen Impuls erhält. Nichts ist statisch und fest dank der Natalität des Lebens. Damit bezieht Hannah Arendt einen konträren Standpunkt zu ihrer Jugendliebe Martin Heidegger. Peter Vollbrecht berichtet über die Faszination, die in den Zwanziger Jahren von Heidegger ausgegangen ist und der auch Hannah Arendt während ihres Marburger Jahres erlag. Der gemeinsame Ausflug führt ins Film-Museum am Potsdamer Platz, wo Sie einen intimen Blick auf die Filmindustrie der zwanziger und dreißiger Jahre werfen können. Optional am Abend: Ein politisches Kabarett oder ein Theaterbesuch (Programm war bei Drucklegung noch nicht bekannt, Ihr Seminarleiter besorgt Ihnen gern eine Karte – Optionen erfolgen ca. 3 Monate vor Reisebeginn).

4. Tag: Der Sinn von Politik
Als politische Denkerin hat Hannah Arendt einen Politikbegriff geprägt, der starke dialogische Züge trägt. Totalitäre Herrschaft erzeuge dagegen Verlassenheit. Mit ihrem 1951 erschienen voluminösen Buch »Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft« begann ihr schriftstellerischer Ruhm – wir lesen und diskutieren einige Passagen daraus. Insbesondere ihre Ausführungen über Staatenlosigkeit und Menschenrechte berühren die heutige politische Weltsituation. Als Exkursion bietet sich idealerweise die ›Gedenkstätte Deutscher Widerstand‹ an. Den Abend verbringen wir bei einem gemeinsamen Abendessen in einem typischen Berliner Restaurant.

5. Tag: Die globale Denkerin
Seit einigen Jahren ist Hannah Arendts Denken wieder sehr im Gespräch. Ein Film der israelischen Regisseurin Ada Ushpiz dokumentiert, wie sie die Demokratiebewegungen in der Ukraine, in Hong Kong, Israel, Ägypten und anderswo inspiriert hat. Hannah Arendt ist heute der Name für eine politische Hoffnung. Seminar-Ende gegen 12 Uhr.

Seminarbeginn und –ende: 6. Mai 2019, 15 Uhr, Abreise am 10. Mai 2019 nach dem Vormittagsseminar gegen 12 Uhr.

Reader: wird wie immer zugesandt, 3 Wochen vorab.

Exkursionen und Unternehmungen: optional Universität, Stadtführung.

Gruppengröße: 12 – 20 Personen.

Kosten: ohne Anreise € 1190 im Doppelzimmer, EZ-Zuschlag € 200. Vier Übernachtungen/Frühstück, 3 Abendessen, Kaffeepausen am Anreisetag und an den Vormittagen, Exkursionen: Jüdisches Museum, Filmmuseum am Potsdamer Platz, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Seminar und Seminarraumkosten. Im DZ ab € 875 im DZ, EZ-Zuschlag ab € 138. Optional: am 8. Mai Politisches Kabarett oder Theaterbesuch. Ihr Seminarleiter besorgt Ihnen gern eine Karte, ca. 3 Monate vorher bitte melden!

Anmeldung: über mich oder direkt bei Zeitreisen logo neu

 

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Peter Vollbrecht