Figuren des Göttlichen.
Weshalb es so schwer ist,
ohne Metaphysik sinnvoll zu denken

Propstei Sankt Gerold, Vorarlberg
15.– 20. Februar 2019

 

WinterfotoStGeroldEinst ließ Nietzsche den Tod Gottes verkünden, doch er fügte dem hinzu: „Ich fürchte, wir werden seine Grammatik nicht los.“ Auch wenn Gott in unserem Alltag keine wichtige Rolle mehr spielen mag - in unserem Denken sind wir immer noch auf ihn bezogen. Etwas von ihm lebt weiter in den absoluten Horizonten von Wahrheit, Unendlichkeit oder Vollkommenheit. Deswegen fällt es Philosophen so schwer, ohne Gott auszukommen. Mit ihrer spekulativen Phantasie haben sie ihm sogar immer wieder neue Rollen angeboten und dabei den Abstand zwischen uns und ihm jeweils frisch vermessen. In der Winterstille der Bergwelt des Großen Walsertals, ein UNESCO-Biosphärenpark, suchen wir die religiöse Knetmasse der Philosophie auf und streifen wieder einmal quer durch Zeiten und Zivilisationen. Der Geist der alten Probstei St. Gerold – seit dem 13. Jahrhundert mit dem Schweizer Benediktinerkloster Einsiedeln verbunden – setzt uns auf die Fährte: Wo überall steckt die Gottesidee? Mit seinen vielen Gesichtern verbirgt er sich in Begriffen, Denkfiguren und Gefühlen, dann tritt er personal ins Bild, mal als Einer und mal sind es Viele. Eine aufregende Kulturreise erwartet Sie, modern und säkular, mit großem Respekt für die kulturelle Kraft des Religiösen.

Das Seminar: Zum Einstieg wählen wir die naheliegende Frage: Wie kam Gott überhaupt ins Spiel? War es Offenbarung oder Erfindung? - Sachlich kann die Frage nicht entschieden werden, im Blick auf die kulturellen Traditionen aber schon: Wir studieren animistische Naturreligionen und mythische Epen und erkennen in ihnen die Fingerabdrücke menschlicher Lebenswelten. Die vielen Götter beschäftigen uns und die Verdichtung auf den personalen Einen. Was bewirkte die bahnbrechende Revolution des Monotheismus? Dann geht es in das subtilere Gelände, dorthin, wo Vernunft und Geist eine theologische Erbschaft übernehmen und sich in den ‚ewigen Formen‘ der Mathematik bespiegeln. Nicht zu vergessen: die Endzeitvorstellungen in den Sozialutopien, die von einem Rückgewinn des Paradieses träumen. Und natürlich: Natur, die kreative Erfinderin immer neuen Lebens, Rückkehr zu Ursprung, Ganzheit und dem unbeschädigten Leben. Ein großes Kapitel unseres Themas schlägt uns die Kunst auf mit ihrer Hoffnung, das Absolute könne im ästhetischen Augenblick zur Epiphanie gelangen. Diese und weitere Spuren des Göttlichen verdichten sich in der Frage nach und den Antworten auf den Sinn des Lebens. Lässt das Nachdenken auf das Leben vielleicht notwendigerweise auf Figuren des Göttlichen ein?

Seminarbeginn und –ende: 15. Februar, 18 Uhr, Abreise nach dem Frühstück am 20. Februar 2019.

Reader: eine ausführliche Textsammlung wird Ihnen drei Wochen vor Seminarbeginn zugesandt. Keinesfalls müssen Sie den Reader vorher durchgearbeitet haben!

Gruppengröße: 12 – 20 Personen.

Exkursionen: Wanderungen in der Winterstille des UNESCO-Biosphärenparks.

Anreise: individuell.

Kosten: fünf Übernachtungen mit Halbpension in der Probstei St.Gerold, Großes Walsertal/Vorarlberg. Kaffee-/Teepausen während des Seminars, Seminar, Skript und Seminarraumkosten im DZ € 1050, EZ-Zuschlag € 50

 

Philosophisches Forum

 
 

Peter Vollbrecht