Philosophische Cafés
Januar 2012 - Februar 2018                                                    Themenbeschreibungen

 

 

Die biologischen Grundlagen unseres Geistes:
Einführung in die Neurophilosophie
                                                                                       
Esslingen, 17. Januar 2012, 19.30 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 20. Januar 2012
                                                                                        Mannheim, 22. Januar 2012, 11.00 Uhr
                                                                                        Schwäbisch Gmünd, 24. Januar 2012, 19.00 Uhr

      Die Naturwissenschaften der Gegenwart lassen die Philosophie nicht unberührt, denn sie brechen ein das klassische Terrain der Geisteswissenschaften. Und dort beantworten sie ebenso klassische Fragen wie die nach der Natur unseres Bewusstseins. Die Neurobiologie beschreitet dabei einen aufregenden Weg, denn sie erklärt, wie aus der Evolution von Zellverbänden selbstorganisierende Systeme entstehen. Ein solches, wiederum hochentwickeltes System ist der menschliche Geist, dessen Erkenntnisleistungen neue soziale Welten entstehen lassen, - ein Prozess, dessen Entwicklungsmöglichkeiten noch gar nicht absehbar sind. Was ist die Zukunft des Menschen?

      Peter Vollbrecht führt Sie an diesem Abend ein in die neue Welt der Neurophilosophie mit ihren derzeit herausragenden Vertretern Thomas Metzinger, Michael Pauen, Gerhard Roth und Daniel Dennett. Wie verändert die neurobiologische Sicht auf die natürlichen Grundlagen des Geistes unser menschliches Selbstverständnis?

       

Carl Friedrich von Weizsäcker:
Physik und Transzendenz
                                                                                       
Nürnberg, 17. Februar 2012, 19.30 Uhr
                                                                                        Mannheim, 26. Februar 2012, 11.00 Uhr

      Carl Friedrich von Weizsäcker ist eine Wissenschaftslegende. Er begegnete in frühen Jahren den Quantenphysikern Werner Heisenberg und Niels Bohr und verschrieb sich zunächst voll und ganz der neuen Physik, die den zwanziger und dreißiger Jahren entstand. Seine Mitwirkung am deutschen Uranprojekt während des Zweiten Weltkrieges veränderte aber seinen Blickwinkel ganz entscheidend auf philosophische Fragestellungen wie die nach dem Wesen der Wahrheit und der gesellschaftlichen Verantwortung des Wissenschaftlers. Außerdem umtrieb ihn das ganze Leben lang das Verhältnis von Religiosität und wissenschaftlicher Rationalität. Sehen wir ihm einen Kronzeugen dafür, dass die moderne Wissenschaft sich den philosophischen Fragen wieder öffnet. Allerdings muss die Philosophie auch mit naturwissenschaftlichen Kompetenzen aufwarten, um den heute nötigen Dialog mit den treibenden zivilisatorischen Kräften leisten zu können. Ein philosophisches Café, das sich gegen die Entfremdung zweier Kulturen stemmen möchte…

 

„Die Sprache ist das Haus des Seins“.
Cassirer, Heidegger und Wittgenstein
                              Nürnberg, 16. März 2012, 19.30 Uhr
                                                                                        Mannheim, 18. März 2012, 11.00 Uhr

      Das zwanzigste Jahrhundert ist, philosophisch gesehen, die Epoche der Sprachphilosophie gewesen. Leitend dabei die Einsicht, dass unser Dasein vorrangig in der Sprache beheimatet ist. In ihr sedimentieren sich nicht nur die Erfahrungen einer Gemeinschaft, sondern einer generationenübergreifenden Tradition. Drei Philosophen des letzten Jahrhunderts setzten dabei jeweils verschiedene Akzente: Ernst Cassirer, in der Denktradition der Kulturphilosophie stehend, bestimmt den Menschen als ein Wesen, das in symbolischen Welten lebt, und er spannt einen weiten Bogen vom Mythos über die Religion, die Kunst, die Wissenschaft und die Technik. Martin Heidegger wendet den Blick auf das Sprachkunstwerk und erwartet von den Dichtern die wesentlichsten Impulse für die künftige Weltverständigung. Wittgenstein schließlich konzentriert sich auf die normale Alltagssprache. Sie helfe uns dabei, Auswege aus den Sackgassen des Denkens zu finden: „Was ist dein Ziel in der Philosophie? - Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.“

 

Kritik der Macht:
Michel Foucault
                                                                 Mannheim, 15. April 2012, 11 Uhr

        Kein anderer Philosoph hatte in Frankreich nach Jean Paul Sartre einen solchen Einfluss wie der 1984 verstorbene Michel Foucault. Er spürte den subtilen Machtstrukturen nach, die sich nicht nur in der Sprache etabliert haben, sondern – man höre und staune! – auch im Gebäude des menschlichen Wissens. Wie kommt es, dass ein Gedanke, eine Erkenntnis oder eine Vision nur zu bestimmten Zeiten sich durchsetzen kann?, fragte er. Wo liegen die Institutionen der Zensur, die das Geistige unterdrücken? Foucault stieß dabei auf die wesentlichen Grenzziehungen, die das kulturelle Gespräch beherrschen und kontrollieren: Normalität und Wahnsinn, Freiheit und Strafe, Rassismus und Bio-Politik, Krankheit und Medizin, sexuelles Begehren und gesellschaftlich abweichende Orientierungen. Dabei verstand Foucault sich als ein Archäologe des Wissens, der den ‚Willen zum Wissen‘ auf dessen ‚Willen zur Macht‘ hinterfragt. Eine ungewöhnliche Gesellschaftskritik wartet auf Sie – oder haben Sie selbst gar manches davon schon gedacht oder empfunden?

 

Aristoteles über die Seele                                                 Mannheim, 16. September 2012, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 23. Oktober 2012, 19.30 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 18. November 2012, 19.00 Uhr

        Ob es sie wirklich gibt, die Seele, daran ist oft gezweifelt worden, zuletzt von den Hirnforschern. Zweifellos aber existiert sie im Vokabular der Sprachen, doch welchen Sinn macht sie dort?

        Der antike Meisterdenker Aristoteles gibt uns Antwort wie kein zweiter in der Geschichte der Philosophie. Sie sei ein Prinzip des Lebens, mit der jeder Organismus sich seine Ziele setze. Und tiefer schaut er der menschlichen Seele in ihr Gehäuse und entdeckt ihr das weite Geflecht ihrer Regungen: Wahrnehmungen und Vorstellungen, Vernunft und Gefühl, Begehrungsvermögen und das kognitive Zentrum unserer Handlungen. Wirklich bahnbrechend hat Aristoteles vor über 2300 Jahren der Psychologie wie auch der Biologie die Wege gewiesen für die Geheimnisse des Lebens.

     

JETZT! Die philosophischen Geheimnisse des Augenblicks

                                                                                        Mannheim, 28. Oktober 2012, 11 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 27. Januar 2013, 19.00 Uhr
                                                                                        Esslingen, 14. April 2015, 19:30 Uhr

        Immer würden wir rechten Augenblick von der Zukunft erwarten und darüber das eigene Leben verpassen, klagte schon der antike Denker Epikur. Dabei hat der geheimnisvolle Atemzug der Zeit die philosophischen Köpfe seit jeher beschäftigt. Im philosophischen Café bringt Ihnen der Moderator Peter Vollbrecht eine reiche Ernte vielfältigster Philosophien des Augenblicks ein. Immer geht es dabei um die Sehnsucht, dem Diktat des Zeitflusses zu entkommen: in der ästhetischen Kunsterfahrung, in erotischer Sinnlichkeit, im plötzlichen Moment einer Erkenntnis, im abrupten Auftreten eines Gefühls oder in den spirituellen Erlebnissen des Mystiker. Im Augenblick konzentriert sich unsere existenzielle Präsenz, unser Hier-Sein. Doch wir führen unser Leben auch und in erster Linie in der biographisch, historisch und soziologischen Zeitreihe, im Dort-Sein. Entwerfen wir in unseren Gesprächen Visionen einer zu bewirtschaftenden Zeit, in der die Düfte des Augenblicks aufbewahrt bleiben wie die Blüten eines vergänglichen Daseins.

 

Wie wollen wir leben?
Über Peter Bieris neueste Essays
                                                                                                                                                                                                      Mannheim, 18. November 2012, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 4. Dezember, 19.30 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 17. Februar 2013, 19.00 Uhr

        Der Philosoph Peter Bieri, bekannt auch als Romancier Pascal Mercier (u.a. Der Nachtzug nach Lissabon), ist ein Meister der leisen Töne. Sein jüngst erschienenes Buch Wie wollen wir leben? Ist ein Schatzkästchen einer Philosophie der Lebenskunst, es versammelt die wesentlichen Aspekte eines sinnerfüllten Lebens um die zentrale Achse von Freiheit und Selbstbestimmung. Bieris Botschaften sind klar und einfach, seine Sprache unverstellt und von einfühlsamer Innerlichkeit. Souverän öffnet sein philosophischer Blick für die vielfältigen menschlichen Möglichkeiten, die sich uns bieten für unsere Suche nach einem gelingenden Leben. In unserem philosophischen Café diskutieren wir über Selbsterkenntnis und die Abwehr der Manipulation, über das eigene Selbst und die Bedeutung der Anderen im sozialen Feld, über die Kunst, sich zur Sprache zu bringen und über das erzählerische Selbstbild, das jeder von sich erzeugt.

 

Geschichte der moralischen Ideen (5):
Der Kommunitarismus

                                                                                        Mannheim, 27. Januar 2013, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 29. Januar 2013, 19.30 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 17. März 2013, 19.00 Uhr

        „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ - das war der moralische Dreiklang, mit dem die Französische Revolution das demokratische Zeitalter in Europa eingeleitet hatte. Sie sind auch die Wurzeln des Liberalismus.

        Die gegenwärtige Krise des Liberalismus deckt auf, dass in der liberalen Idee das Prinzip der Brüderlichkeit, die Solidarität, unter die Räder gekommen ist. In Amerika hat sich seit den 80er Jahren eine Sozialphilosophie Gehör verschafft, die den Liberalismus reformieren möchte: der Kommunitarismus. Er setzt auf gemeinschaftliche Werte, auf bürgerliche Tugenden, und er ist der Auffassung, dass die Grundwerte der Liberalisten - Freiheit und Gleichheit - als Fundament für eine moderne Gesellschaft allein nicht ausreichen. Scharf diagnostizieren sie, wie der Neoliberalismus die solidarischen Bänder zerrissen hat, ebenso scharf aber kritisieren sie die Vormachtstellung des Wohlfahrtstaates, der den Bürgern deren Fähigkeit zur Selbstorganisation streitig macht. Die Autoren, die dabei zur Sprache kommen, gehören zur Crème de la Crème der anglo-amerikanischen Szene: Alasdair MacInyre, Charles Taylor, Michael Sandel u.a.

 

Karl Raimund Popper und die Offenheit des Denkens

                                                                                        Mannheim, 17. Februar 2013, 11 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 14. April 2013, 19.00 Uhr
                                                                                        Esslingen, 13. März 2013, 19.30 Uhr
                                                                                        Heilbronn, 20. März 2014, 19.30 Uhr

        Nach einem traumatischen Erlebnis in seiner Jugendzeit wandelte sich Karl Raimund Popper vom Marxisten zu einem entschiedenen Vertreter einer offenen, demokratischen Gesellschaft. Wissenschaftlicher, aber auch kultureller Fortschritt könne sich nur in einem freien, unideologischen Diskurs ereignen, Wahrheit ist uns immer nur bis auf Widerruf zugänglich, die Welt des Erkennens und Wissens bereichere uns auch in unseren Gefühlen und Bewusstseinszuständen. In seinem Werk verbindet er Wissenschaftstheorie mit klassischen anthropologischen Fragestellungen sowie mit dem politischen Denken. In vielen unserer intuitiven Überzeugungen können wir uns bei Popper wiedererkennen, in einer wunderbar klaren Sprache gibt er ihnen die nötige philosophische Tiefe. Das letzte philosophische Café vor der Sommerpause lädt Sie also auch ein zu einer intellektuell-ästhetischen Selbstbegegnung.

         

Jürgen Habermas: Der mündige Bürger in der Zivilgesellschaft

                                                                                        Esslingen, 26. Februar 2013, 19.30 Uhr                
                                                                                        Heilbronn, 23. Oktober 2013, 19.30 Uhr

        Eine lebendige Demokratie zeichnet sich durch eine lebhafte Öffentlichkeit aus, in der die strittigen Belange debattiert werden. Jürgen Habermas hat sich in seinem gesamten philosophischen Werk wie auch in einer Vielzahl von öffentlichen Auftritten dem politischen Ziel verschrieben, die ‚vierte Gewalt‘ im Staat zu stärken. Die Philosophie, so meint er, könne in einem Zeitalter ethischer Mündigkeit kein normatives Leitziel mehr postulieren. Ihre Aufgabe bestehe vielmehr darin, sich für das Ideal eines gerechten Zugangs zum öffentlichen Diskurs zu engagieren, in den die Bürger ihre Angelegenheiten sozialer und sittlicher Art verhandeln. Legitimationsprobleme sind für ihn, den Sokrates der Gegenwart, immer auch Defizite im öffentlichen Diskurs. Die kommunikative Zivilgesellschaft, für die Habermas streitet, fordert die etablierten Zirkel der Macht heraus und veranlasst die derzeitige politische Elite zu weitreichenden Strukturreformen des politischen Lebens.

 

Vernunft ist ein Ergebnis der Evolution:
Konrad Lorenz und Rupert Riedl

                                                                                        Mannheim, 17. März 2013, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 27. Oktober 2015, 19:30 Uhr

        Die menschliche Vernunft fiel nicht vom Himmel, vielmehr entstand sie in einer immens vielgliedrigen Kette evolutionären Lernens. Über einen Jahrmillionen währenden Prozess der Anpassung entwickelten die Organismen Erkenntniszuwächse über ihr Lebensmilieu. Erkenntnis, evolutionsbiologisch gefasst, ist nicht an Verstand und Vernunft gebunden. Die Evolutionäre Erkenntnistheorie lenkt den Blick auf die „Rückseite des Spiegels“ und macht die stammesgeschichtlichen Voraussetzungen von Verstand und Vernunft sichtbar. Manche klassischen Fragen wie die nach der Natur des Wirklichen oder nach der Wahrheitsfähigkeit menschlichen Erkennens erfahren von Wissenschaftlern wie Konrad Lorenz oder Rupert Riedl ganz neue Antworten. Peter Vollbrecht informiert im philosophischen Café über den biologischen Blick auf grundständige philosophische Themen und lädt ein zu Diskussionen im dialogischen Feld von Philosophie und Naturwissenschaft.

 

Negative und positive Freiheit: Isaiah Berlin

                                                                                        Esslingen, 9. April 2013, 19.30 Uhr
                                                                                        Mannheim, 14. April 2013, 11 Uhr

        Die Freiheit, so meint der britische Philosoph Isaiah Berlin, hat vor allem zwei Gesichter: das klassisch liberalistische einer Freiheit von äußeren Zwängen, einer ‚Freiheit von‘, sowie das humanistische einer Freiheit zu Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung, einer ‚Freiheit zu‘. Beide erst bilden einen sinnvollen Freiheitsbegriff, aber beide stehen nicht spannungsfrei zueinander. Denn die ‚positive Freiheit‘ ist sehr viel stärker wertbesetzt als die ‚negative‘, – zudem konkurrieren im Wertgefüge der ‚positiven Freiheit‘ manche Normen untereinander um Vorherrschaft. Berlin plädiert deshalb entschieden für einen Wertepluralismus, um den potenziell ‚gegenfreiheitlichen Tendenzen‘ im positiven Freiheitsbegriff entgegenzutreten. Eine Warnung also an allzu fest gefügte Überzeugungen über das Richtige und Wahre!

        Erst in den letzten Jahren ist in Deutschland das weitverstreute publizistische Werk Isaiah Berlins wahrgenommen worden. In England hingegen gilt er seit den 70er Jahren als der Prototyp des Intellektuellen, der sich mit kräftiger Stimme in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen einschaltet – das britische Gegenstück zu Jürgen Habermas.

         

Weshalb kommen wir so selten dazu, wir selbst zu sein?
Heideggers Analyse des ‘Man’

                                                                                        Esslingen, 17. September 2013, 19.30 Uhr
                                                                                        Mannheim, 22. September 2013, 11 Uhr

        Man sagt, man genießt, man empört sich – in der großen Manipulationsmaschine des öffentlichen Geredes ist eine neue Macht zur Herrschaft gelangt: die Diktatur des Man. Im Man entlastet sich der Einzelne von der Last der eigenen Existenz, flüchtet in das nivellierende Grau der Durchschnittlichkeit und plappert dort das Gerede nach. In einer berühmten Passage seines Hauptwerkes Sein und Zeit hat Martin Heidegger dieses allzu reale Gespenst der modernen Massengesellschaft einer eingehenden Analyse unterworfen. Beklemmend und hochaktuell, denn irgendwie ist jeder von uns: ein Man. Man kann kaum anders, auch wenn man will. Nur allzu leicht überschätzt man die Souveränität des eigenen Selbst und unterschätzt die Allgegenwart des Man. Düster? Wie entkommt man dem Man? Heidegger macht Vorschläge, Peter Vollbrecht erklärt sie.

 

Die Welt im Inneren der Seele
Rainer Maria Rilke und das poetische Denken

                                                                                        Mannheim , 20. Oktober 2013, 11.00 Uhr
                                                                                        Esslingen , 23. Oktober 2013, 19.30 Uhr

        Sie berühren, beeindrucken, bezaubern. Immer noch, auch einhundert Jahre nach ihrem Entstehen - Rilkes Gedichte führen uns in den Weltinnenraum der Seele. Dort gewinnt alles Sprache und Figur, woran wir im Alltag achtlos vorübergehen: Dinge, Gesten, Bewegungen. Immer spürt Rilke darin den lebendigen Atem des Vergänglichen auf – und entdeckt uns die verborgene Sprache des Seins. Beim Lesen seiner Gedichte schärft sich der Blick für die Bedeutsamkeit des Kleinen und Unscheinbaren, inszeniert in kräftigen, musikalischen Versen. Von ein paar exemplarischen Gedichten aus nehmen wir Kurs auf Rilkes poetische Landschaften, um zu erleben und genießen. Aber auch, sonst wäre unser Café kein philosophisches!, um das Denken zu überschreiten auf die poetische Vernunft hin. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man dichten…

 

Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen
Ludwig Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus

                                                                                        Mannheim , 20. Oktober 2013, 11.00 Uhr
                                                                                        Esslingen, 19. April 2016, 19.30 Uhr

        Exzentrisch war er, rechthaberisch und mit all den sozialen Defekten ausgestattet, an denen es einem Genie nicht mangelt: Ludwig Wittgenstein. In jungen Jahren schrieb er sein Wunderwerk, den Tractatus logico-philosophicus, mit dem er meinte, alle philosophischen Probleme gelöst zu haben. Das sollte er später zwar revidieren, doch nirgendwo sonst ist es ihm so eindrucksvoll gelungen, den Leser an die Grenze zwischen dem Sagbaren und dem Unsagbaren zu führen. Man müsse nur dasjenige zur Kenntnis nehmen, was der Tractatus verschweige, meinte er – die Ohrfeige galt der zeitgenössischen Aufnahme seines vielbewunderten, rätselhaften Debuts. Machen wir es also besser und erkunden wir die ‚Nachtseite‘ des Tractatus und knacken wir Wittgensteins Logik des Verschweigens! Sie werden staunen, was da alles aufscheint, von den Verstellungen der Sprache gereinigt: das Ich und ‚meine‘ Welt, Sprache und Gedanke, das gute und das böse Wollen, Wert und Sinn, Philosophie als Tätigkeit und nicht als Lehrsystem… Bringen Sie für diesen philosophischen Abend einfach eine Prise Abenteuerlust mit!

 

Jesus auf dem Scheiterhaufen
Das Drama der Freiheit - Dostojewskis Großinquisitor

                                                                                        Esslingen , 3. Dezember 2013, 19.30 Uhr
                                                                                        Mannheim , 8. Dezember 2013, 11.00 Uhr

        Dostojewskis literarisches Werk gipfelt in einer kleinen Erzählung, die eine zentrale Stellung in seinem Meisterwerk Die Brüder Karamasoff einnimmt. Jesus kommt noch einmal zurück, tätigt noch einmal Wunder – und wird vom Großinquisitor verhaftet. Denn er störe nur das Werk der Kirche, so hält ihm in einem grandiosen Monolog der greise Kirchenmann entgegen, und ausführlich legt er ihm den Irrtum dar, dem Jesus erlegen sei, als er den Glauben meinte auf die Freiheit gründen zu können. Er, Jesus, habe damit eine zu schwere Last auf die Menschen gelegt, es sei eine Lehre nur für die Starken – die Kirche aber habe sich um den großen schwachen Rest gekümmert, habe ihn eingesammelt und unter das Joch der Autorität gespannt. Nur als Knechte könnten die Menschen glücklich sein, die Kirche habe einen Kardinalfehler der Lehre Jesu ausgemerzt. Und deshalb müsse er, Jesus, auf dem Scheiterhaufen sterben.

        Vorderhand ein philosophisches Nachtstück gegen die Institution der Kirche und für den reinen Glauben, doch hinter den Kulissen geht es um das bis heute unaufgelöste Drama der Freiheit.

 

Albert Camus: Das Glück des Sisyphos

                                                                                        Esslingen , 25. Februar 2014, 19.30 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 6. Oktober 2014, 19 Uhr
                                                                                        Mannheim, 12. April 2015, 11 Uhr

        Weshalb lohnt sich das Leben? Bei all der betriebsamen Hektik, die uns in den Alltag spannt, bei allen Fragen, auf die weder wissenschaftlich noch existenziell letzte Antworten zu erwarten sind? Wenn auch die Himmel nicht mehr trösten, wenn, bei Lichte besehen, das Menschenleben vergeblich Steine wälzt wie Sisyphos, der von den Göttern zu einer absurden Strafe verurteilt wurde? Albert Camus stellt die Sinnfrage erneut und mit einer Radikalität, die uns den Atem nimmt. Wir, so meint er, leben in einer Welt, die sich nicht mehr deuten und rechtfertigen lässt – wie sollen wir uns da noch zurechtfinden? Aber gerade das Gefühl der Absurdität gebe uns eine tiefere Freiheit, einen intensiveren Lebenssinn und eine umfassendere Menschlichkeit. Lässt es sich begreifen, das verschwiegene Glück des Sisyphos?

 

Leib und Seele, Körper und Geist

                                                                                        Mannheim , 16. März 2014, 11.00 Uhr
                                                                                        Esslingen , 19. März 2014, 19.30 Uhr

        Ist es der Geist, der sich den Körper baue?, wie es Friedrich Schiller meinte. Oder sind ‚Geist‘ und ‚Seele‘ nur leere Worte, mit denen sich der Mensch über die Allmacht der Materie hinwegtröstet? Seit der Antike bewegt diese Gretchenfrage die Debatten um Leib und Seele. Das philosophische Café präsentiert Ihnen einen bunten Strauß von Positionen, einseitige und extreme wie auch vermittelnde, die hier eine Wechselwirkung von Körper und Geist annehmen. Sie werden darüber staunen, wie dabei die Linien quer durch die Ideengeschichte verlaufen und wie modern etwa antikes Denken (Aristoteles und Epikur) sich ausnimmt, wenn es mit den neurobiologischen Erkenntnissen unserer Tage konfrontiert wird (Gerhard Roth). Oder wenn Sie die Wirkungsmächtigkeit der christlichen Tradition in der Philosophie Kants etwa aufspüren. Im Leib-Seele-Problem bündeln sich alle großen und interessanten Themen, die unser menschliches Selbstverständnis ausmachen, - in ausführlichen Diskussionen erkunden wir das Terrain.

 

Sören Kierkegaard:
Die Aufgabe, man selbst zu werden

                                                                                        Mannheim , 6. April 2014, 11.00 Uhr
                                                                                        Esslingen , 19. März 2014, 19.30 Uhr

        Sören Kierkegaard ist der einsame, geheimnisvolle Philosoph Dänemarks, der sein leidenschaftliches Denken auf das einzelne, einmalige Dasein stellte. Damit ist er der Begründer der Existenzphilosophie geworden. Alles in seinem Werk kreist um die Aufgabe, das Selbst, das ein jeder von uns ist, auch wirklich zu leben. Doch eher flieht der Mensch vor sich selbst und wirft sich auf gesellschaftliche Rollen, in denen er ein uneigentliches Dasein lebt. Doch was geht ihn existenziell an? Kierkegaards Antworten: die Angst, die Freiheit und die existenzielle Wahl eines umfassenden selbstbestimmten Lebens. Allerdings war der schwermütige Däne auch der Meinung, dass die letzten Horizonte dabei tiefreligiöse Farben tragen – womit er sich gegen die Kirche wandte, die als Staatskirche die existenzielle Bedeutung des Christentums pervertiert habe.

         

Furchtlose Freude:
Epikur über die Natur des Glücks

                                                                                        Mannheim, 21. September 2014, 11.00 Uhr
                                                                                        Esslingen, 23. September 2014, 19.30 Uhr

        Verfemte leben länger. Und was hat man ihm nicht alles vorgeworfen: ein philosophisches Schwein sei er, der eine Hurenphilosophie betreibe. Dabei hat er nur die körperlichen Freuden gegen die Leibfeindlichkeit der Stoa und des Platonismus verteidigt. Später dann nahmen christliche Denker an seiner Behauptung Anstoß, es gebe keine unsterbliche Seele. Heute aber hat Epikur mit seiner Lehre von der heiteren Freude am Dasein viele Anhänger. Das Glück, so meinte er, sei dann ungetrübt, wenn der Mensch mit seiner Vernunft die Ängste vertreibe, die Nebelbänken gleich auf unserem Gemüt lasten. Nichts sei erstrebenswerter als ein stiller, aber doch euphorischer Genuss des Lebens.

         

Hat jeder seinen eigenen Geschmack?
Kant über das Schöne

                                                                                        Mannheim, 19. Oktober 2014, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 21. Oktober 2014, 19.30 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 10. November 2014, 19.00 Uhr

        Über Geschmack, so sagt man, lässt sich bekanntlich streiten. Immanuel Kant war da ganz anderer Auffassung. Nein, so meinte er, auch ein Geschmacksurteil trete mit dem Anspruch auf, allgemein gültig zu sein. Jedenfalls dann, wenn es dabei um das Schöne geht und nicht um die Freuden des Gaumens. Zwar sei es eine subjektive Sache mit dem Schönen in Kunst und Natur, aber dennoch: unser Gemüt erfahre in der schönen Empfindung und im Erleben des Erhabenen in der Natur eine andere Weltordnung. Lassen Sie sich an diesem Abend dorthin entführen, wo die Dinge leichter wiegen, wo Freiheit und Naturkausalität sich spielerisch berühren.

         

Die Freiheit und das Böse: Friedrich Schelling

                                                                                        Mannheim, 16. November 2014, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 2. Dezember 2014, 19.30 Uhr

        Eine der tiefsten und unbequemsten Einsichten besteht im Gedanken, dass das Böse die menschliche Freiheit zur Grundlage hat. Kant hatte behauptet: die Herkunft des Bösen ist letztlich unbegreiflich. Schelling, 1775 in Leonberg geboren, wollte da noch weiter graben, er wollte Aufklärung über die Natur des Bösen. Das Böse, so meinte er, entstehe im Lauf der Entwicklungsgeschichte des Bewusstseins. Im Anfang waren Dunkelheit und Licht ungeschieden, erst in der freiheitlichen Bahn des Menschen trete das Gute und das Böse in einen kriegerischen Konflikt. Gibt es eine Auflösung dieses Dramas? Wir nehmen Schellings Antwort zum Anlass für eine kühne Kulturtherapie…

 

„Moral führt unumgänglich zur Religion“:
 Kants Religionsphilosophie

                                                                                        Mannheim, 22. Februar 2015, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 24. Februar 2015, 19:30 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 8. Februar 2016, 19 Uhr

        „Ich musste das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen,“ so schrieb Kant lakonisch über sein philosophisches Lebenswerk. Dabei galt ihm als ausgemacht: der Glaube müsse vernünftig sein, er müsse das Wissen ergänzen. Und so bemühte sich Kant an vielen Stellen seines Werkes, vernünftige Gründe für den Glauben zu finden. Die stärksten Übergänge vom Wissen zum Glauben beschritt er in der Moralphilosophie. Hier erhebt die Vernunft Gott zum notwendigen Postulat, hier führe alles „unumgänglich zur Religion“. Wir studieren die Gründe, die Kant dazu bewogen haben, wir analysieren die Gottesidee, die dabei zum Tragen kommt – auch um zu verstehen, weshalb die preußische Amtskirche Kants Religionsphilosophie der Zensur unterwarf.

 

Emmanuel Levinas:
Humanismus im Antlitz des Anderen

                                                                                        Mannheim, 22. März 2015, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 24. März 2015, 19:30 Uhr

        Wir erleben derzeit in den Krisenherden der Welt eine ungeahnte Brutalisierung des Lebens, die uns den Atem nimmt. Sie verlangen nach einer philosophischen Antwort. Der französische Denker Emmanuel Levinas hat die Einsicht, dass jedes individuelle Leben sich nur in der Nachbarschaft der Anderen entfalten kann, zu einem Humanismus im Antlitz des Anderen fortentwickelt. Freiheit, so sein leitender Gedanke, wird erst ermöglicht durch den Anruf des Anderen. Zudem zieht sich durch das Individuum selbst die Spur des Anderen – nicht nur des anderen Lebens, sondern des ‚ganz Anderen‘, des Unendlichen. Und hier, vor den religiösen Horizonten, formuliert sich die Antwort auf den fundamentalistischen Terror der Gegenwart…

 

Aus der Welt der Gefühle:
Eifersucht

                                                                                        Esslingen, 23. September 2015, 19:30 Uhr
                                                                                        Mannheim, 11. Oktober 2015, 11 Uhr

        Endlos die Beispiele in Literatur, Theater und Film. Und ebenso bodenlos die quälende Erfahrung, in der jegliche Vernunft wie ausgeschaltet ist. Nackt und rasend stehen wir auf der Bühne, entblättert bis auf den Kern. Doch was treibt ihn um, den Eifersüchtigen? Geht es um Treue, um Verlust, um Körper oder Seele? Kein anderes Gefühl nimmt uns so in Geiselhaft, allenfalls vergleichbar zu Wut, Angst und Hass – wovon viel dabei ist in der Eifersucht. Peter Vollbrecht, der Moderator des philosophischen Cafés, versucht sich an einer abstrakteren Zeichnung. Shakespeares Othello, Büchners Woyzeck, Robbe-Grillets Jalousie und andere Eifersuchtshelden der Weltliteratur bringen das beklemmend Anschauliche dazu!

 

Der ‚neue Realismus‘

                                                                                        Mannheim, 8. November 2015, 11 Uhr

        Die veränderte Weltlage mit ihren politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krisen hat in der Philosophie eine Wende zum Realismus ausgelöst. Ein neues philosophisches Klima entsteht derzeit. Markus Gabriel, Maurizio Ferraris, Hilary Putnam und andere insistieren auf einer ‚harten Realität‘ hinter (oder in!) den menschlichen Konstruktionen des Wirklichen. Damit wenden sie sich gegen die idealistischen Spielarten der letzten Jahrzehnte wie Postmodernismus und Konstruktivismus. Dennoch: ein Zurück zum naiven Realismus kann es nicht geben. Der ‚neue Realismus‘ weicht der Sinnfrage nicht aus. Was ist dran am neuen Realismus? – eine Bestandsaufnahme vielleicht, ein intellektueller Genuss auf jeden Fall.

 

Philosophie des Islam:
Religiöse Wahrheit und Vernunftwahrheit

                                                                                        Esslingen, 8. Dezember 2015, 19:30 Uhr
                                                                                        Mannheim, 6. März 2016, 11 Uhr
                                                                                        Nürnberg, 7. März 2016, 19 Uhr

        Es gibt sie, die toleranten Zeiten im Islam. Das ‚Goldene Zeitalter‘ des Islam dauerte 400 Jahre, es erstreckte sich vom fernen Persien bis nach al Andalus in Südspanien. Ihre Philosophen diskutierten über das spannungsvolle Miteinander von Philosophie und Religion, und sie regten sogar einen kritisch-philosophischen Umgang mit dem Koran an. Peter Vollbrecht führt Sie kreuz und quer durch die historische Epoche vom 9. bis zum 13. Jahrhundert, die der europäischen Aufklärung im vielem nahekommt. Hätten sich damals die Denker, die Ärzte, die Wissenschaftler durchgesetzt – die islamische Zivilisation wäre heute eine andere. Die großen Namen? Die Mu‘taliziten, Alhazen, Avicenna, al Farabi, Averroes…

         

Nähe und Distanz. Vom maßvollen Umgang mit Grenzen

                                                                                        Mannheim, 14. Februar 2016, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 23. Februar 2016, 19.30 Uhr
                                                                                        Nürnberg 11. April 2016, 19 Uhr

        Der Mensch ist das Grenzen ziehende Wesen. Er umhegt sein Eigenes, persönlich und biographisch wie auch kulturell-politisch. Ich und die Anderen, ein Dual des bewussten Lebens, ausgehärtet im Laufe der Evolution. Aber auch das Mitmenschliche definiert uns, die Kooperation, die gesellschaftliche Wärme, die intime Nähe der Liebe. Die Natur hat uns widersprüchlich konstruiert. Hat uns aufgegeben, die Spannung von Nähe und Distanz zu leben und eine Formel dafür zu finden, Grenzen zu respektieren und zu überschreiten. Manchen gelingt das besser, anderen schlechter, jeder hat dafür sein eigenes Maß. An diesem Sonntag wollen wir es finden, dieses Maß, inspiriert durch eine kurze Exkursion zu den evolutionsbiologischen Strategien, mit denen jedes Leben sich in begrenzten Milieus entfaltet – um dann vorzustoßen in die Mitte unseres persönlichen Daseins. Dort diskutieren wir dann: Kontrolle und Unterwerfung; Empörung und Auflehnung; Anstand und Respektlosigkeit; Ächtung, Selbstachtung und Anerkennung; Argwohn und Vertrauen; Mut, Lust und das subtile Spiel von Verbergen und Offenbaren.

 

Weltmacht Wille: Arthur Schopenhauer

                                                                                        Esslingen, 22. März 2016, 19.30 Uhr
                                                                                        Mannheim, 10. April 2016, 19.30 Uhr

        Er wollte noch einmal eine allgemeine Welt-Theorie schreiben, er wollte begreifen, in welchen Kreisen sich das Universum dreht. Seine Antwort greift der Psychologie fast 100 Jahre voraus: der Wille hält die Welt im Innersten zusammen. Und: nicht der Geist treibe die Geschichte, sondern der Körper. Schopenhauer war vom Blick in das Schwarze der Seele fasziniert. Die forsche philosophische Wende vom Geist zum Körper ist aber nur die eine Seite des Arthur Schopenhauer.
        Die andere: Das Besondere des Menschen bestehe darin, mit Erkenntnis über den blinden Willen hinaus zu gelangen bis hin zur Überwindung des Willens. Die Philosophie triumphiert also doch über die Macht des Körpers. Aber Schopenhauer orientiert sich dabei an der indischen Philosophie. In ihr erkennt er die große Leistung, die Macht des Willens brechen zu können. Der philosophische Sonntag führt uns also zunächst in sehr bekannte Zonen unseres Selbst, um uns dann in ganz fremde Welten zu werfen…

 

Freundschaften – Goethe und Schiller oder:
Empfindung und Gedanke

                                                                                        Esslingen, 21. September 2016, 19.30 Uhr

        Jede wahre Freundschaft lebt von Ergänzung und von Spannung. In jeder wahren Freundschaft gibt es nicht nur Verständnis, sondern auch Wachstum und Steigerung. Goethe und Schiller geben uns davon ein großes Beispiel. Beide waren sehr konträre Charaktere. Empfindung – das sei auf Goethe gemünzt, auf seinen Widerstand gegen das Philosophische, das Theoretische, Abstrakte, Begriffliche. Gedanke – das umschreibt das Reflexionsgenie Schiller, so hat Rüdiger Safranski in seiner Studie Goethe&Schiller den Schwaben getauft. In der Dramaturgie ihrer Freundschaft spiegelt sich eine Grundspannung, die auch uns angeht: Denken und Handeln, Geist und Natur, Freiheit und die Allverbundenheit des Seins.

 

Verantwortung in der Politik: Max Weber

                                                                                        Mannheim, 23. Oktober 2016, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 25. Oktober 2016, 19.30 Uhr

        Im Aufstieg populistischer Parteien in Europa sprechen die Bürger dem etablierten politischen System ihr Misstrauen aus. Ob berechtigt oder nicht – der Vertrauensverlust ist Fakt. Er bescheinigt der Politik einen Mangel an Weitsicht und Verantwortungsbereitschaft. Darin schwingt eine alte Klage. Vor knapp einhundert Jahren hielt der Soziologe Max Weber im Revolutionswinter 1919 den berühmten Vortrag ‚Politik als Beruf‘, in dem er die Idee der Verantwortungsethik gegen die Gesinnungsethik ins Spiel brachte – eine für uns passende Vorlage, um unsere gegenwärtige politische Kultur zu diskutieren! Eine Matinée, die Gesinnungen und deren Parolen kritisch auf den Prüfstand stellt – nicht, indem wir sie zurückweisen, sondern indem wir das ideologische Potenzial von Gesinnungen überhaupt entlarven.

 

 

Faszination Unendlichkeit

                                                                                        Mannheim, 4. Dezember 2016, 11 Uhr
                                                                                        Esslingen, 13. Dezember 2016, 19.30 Uhr

        Das Meer, so sagte es der Philosoph Karl Jaspers einmal, sei das Sinnbild des Philosophierens, weil uns dort das Unendliche gegenwärtig werde. Die Wellen, der Wind, der weite Horizont stimmen uns ein auf unsere Fragen nach dem menschlichen Dasein, aber auch nach dem je persönlichen Leben. Kein Wunder also, das das Unendliche das Denken seit Urtagen fasziniert. Es ist eine Chiffre für das Göttliche, es inspiriert die Kunst, und auch die Natur zeichnet es in den Sternenhimmel. Dabei ist die Unendlichkeit nichts anderes als eine menschliche Erfindung. Ohne sie wären die Welt und das Leben nicht zu verstehen. Eine philosophische Tiefbohrung zu vorweihnachtlicher Zeit.

 

 

Immanuel Kant: Die Grenzsteine der Vernunft

                        Esslingen, 7. Februar 2017, 19.30 Uhr
                        Mannheim, 26. Februar 2017, 11 Uhr
                        Nürnberg, 6. März 2017, 19.00 Uhr

        Kants Philosophie war deshalb so epochemachend gewesen, weil er mit einer ganz neuen Denkart Frieden stiften wollte unter den philosophisch strittigen Themen. Dabei entlarvte er typische Denkfehler in den (damals wie heute) gängigen Argumentationen. Pikanterweise ergeben sich diese ‚Denkfehler‘ bei Themen, die uns ganz besonders angehen, weil sie von existenzieller Relevanz sind: Seele, Gott und Welt. Gerade in den aktuellen wissenschaftlichen Debatten dreht sich vieles um die Frage, ob es so etwas wie die Seele ‚gibt‘. Ob die Welt einen Anfang in der Zeit hat oder ob sie der Zeit nach unendlich ist. Ob in der Natur Freiheit möglich ist oder ob sich alles nach eiserner Kausalität abspult. Ob zu allem Bedingten in der Welt eine göttliche Unbedingtheit angenommen werden müsse. Kant möchte uns dabei helfen, diese Fragen sinnvoll zu stellen, um sie ebenso sinnvoll zu beantworten. Dabei zeigen sich die Grenzsteine der Vernunft, nämlich die Grenzen unserer Erkenntnis.

 

 

Braucht der Mensch Religion?
Volker Gerhard plädiert für den Sinn des Sinns

                        Esslingen, 21. März 2017, 19.30 Uhr
                        Mannheim, 26. März 2017, 11 Uhr
                        Nürnberg, 3. April 2017, 11 Uhr

        Das „unsterbliche Gerücht“ hat seit einigen Jahren wieder Konjunktur im rationalen Denken. Der Hintergründe sind es viele, - nicht zuletzt fühlen sich Philosophen jedweder Couleur herausgefordert, den Deutungsansprüchen der Naturwissenschaften Sinnhorizonte entgegen zu halten, die sich nicht auf eine materielle Basis zurückbeziehen lassen. Der Berliner Philosoph Volker Gerhard hat kürzlich ein kräftiges Votum für die Sinnfälligkeit des Religiösen gemacht: es gehe dem Menschen in seinem Bestreben, ein sinnvolles Leben zu führen, immer auch um den Sinn des Sinns. Hier wurzeln Weltvertrauen, Glück und Anerkennung.

 

 

Hannah Arendt: Was heißt es, in Freiheit zu leben?

                    Nürnberg, 24. April 2017, 19.00 Uhr
                    Esslingen, 25. April 2017, 19.30 Uhr
                    Mannheim, 21. Mai 2017, 11 Uhr

    An ihrer farbigen Biographie hatten auch die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts mitgeschrieben: Königsberg, Berlin, Marburg, Freiburg, Heidelberg, Frankfurt, dazwischen immer wieder Berlin, wo sie in ihrer Wohnung 1933 einen Unterschlupf für Flüchtlinge bot. Gestapo-Verhaftung, Flucht über Tschechien nach Paris und schließlich über Lissabon nach New York. In ihren Werken suchte sie immer wieder die Auseinandersetzung mit Rassismus und Totalitarismus, den großen Themen der damaligen Zeit, die heute unerwartet eine neue Konjunktur erfahren. Aufbruch und Natalität (Geburtlichkeit) hielt sie gegen Heideggers todesgerichtete
    Seinsphilosophie. Heute werden ihre Werke weltweit rezipiert, insbesondere in den Demokratiebewegungen Afrikas und Asiens. Hannah Arendt ist eine Philosophien, die selber nie eine sein wollte, eine Denkerin in globalem Maßstab.

 

 

Marcus Gabriel und der Neue Realismus

                    Esslingen, 26. September 2017, 19.30 Uhr

    Die veränderte Weltlage mit ihren politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krisen hat in der Philosophie eine Wende zum Realismus ausgelöst. Ein neues philosophisches Klima entsteht derzeit. Markus Gabriel, Maurizio Ferraris, Hilary Putnam und andere insistieren auf einer ‚harten Realität‘ hinter (oder in!) den menschlichen Konstruktionen des Wirklichen. Damit wenden sie sich gegen die idealistischen Spielarten der letzten Jahrzehnte wie Postmodernismus und Konstruktivismus. Dennoch: ein Zurück zum naiven Realismus kann es nicht geben. Der ‚neue Realismus‘ weicht der Sinnfrage nicht aus. Was ist dran am neuen Realismus? – eine Bestandsaufnahme vielleicht, ein intellektueller Genuss auf jeden Fall.

 

 

Harry G. Frankfurt: Bullshit. Die Bedrohung des öffentlichen Lebens
durch das verantwortungslose Gerede

                    Esslingen, 24. Oktober 2017, 19.30 Uhr
                    Mannheim, 21. Januar 2018, 11 Uhr

    Als hätte er es geahnt – vor zwanzig Jahren schon. Damals publizierte der US-amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt einen Aufsatz, der wie eine Bombe einschlug. Visionär diagnostizierte er eine neue Form des öffentlichen Gesprächs, das sich von Fakt und Wahrheit abkoppelt und eine Scheinwelt erzeugt. Bullshit, schwer ins Deutsche übersetzbar, riecht nach Lüge, Humbug und Gerücht und ist dennoch mehr und anderes. Bullshit verzichtet auf jedwede sorgfältige Beschreibung von Wirklichkeit. Es ist ein Sprechen ohne Sachkompetenz. Im öffentlichen Diskurs gewinnt es Anhänger, weil auch die anderen die Sachen nicht kennen, über die sie doch reden möchten. Und so verbreitet es sich wie ein Pilz und höhlt die Glaubwürdigkeit des Argumentierens aus. Weshalb neigen moderne Gesellschaften dazu, die Wirklichkeit zu fälschen? Wer steckt dahinter, wer profitiert davon?

 

 

Magie und Macht der Sprache

                    Mannheim, 3. Dezember 2017, 11 Uhr

    Der Mensch ist das sprachbegabte Wesen – der alte Aristoteles feierte in seiner Formel vom zoon logon echon dabei vor allem die Vernünftigkeit der Sprache. Wir Heutige staunen dagegen mehr über die Verführungsmacht der Sprache, über ihre literarische Magie, über ihre suggestive Wucht. Peter Vollbrecht präsentiert Ihnen Kritiker und Könner der Sprache: Platon frühe Kritik an der Rhetorik, Barack Obamas Farewell Speech, Nietzsches aphoristische Sprachkraft, Hugo von Hofmannsthals Chandos-Brief, Heidegers dunkles Geraune von der sprechenden Sprache und Ernst Cassirers erhellende Gedanken über das Kulturgut Sprache.

 

 

Gottfried Wilhelm Leibniz: Leben wir in der besten aller
möglichen Welten?

                    Esslingen, 5. Dezember 2017, 19.30 Uhr
                    Mannheim, 25. Februar 2018, 11 Uhr

    Gottfried Wilhelm Leibniz was das letzte Universalgenie, das zu seiner Zeit die Felder des damaligen Wissens noch überschauen konnte. Er lebte in der heiteren und optimistischen Zeit des Barock, der Gottesglaube war damals noch stark gefestigt, für Leibniz ein Inspirationsquell für seine immense Kreativität. Er war Mathematiker, Philosoph und Rechtswissenschaftler, er engagierte sich im Friedensdiskurs seiner Zeit, er wirkte als Biologe und Sprachwissenschaftler und er war ein Vorläufer der empirischen Psychologie. Er erfand die digitale Sprache, baute die erste Rechenmaschine und erwartete der Welt eine Zukunft, in der Maschinen den Menschen vom Arbeitsdruck entlasten werden. Alles sei optimal eingerichtet vom Weltenbauer Gott, wir leben in der besten aller möglichen Welten. Betrachten wir aus dem Abstand von drei Jahrhunderten noch einmal diesen Optimismus! Ein wirklich philosophischer Beitrag zur Vorweihnachtszeit.

 

 

Philosophisches Forum

 
 

Peter Vollbrecht